„Die Zeit an der TO war für mich außerordentlich prägend. Es war ein wichtiger und schöner Lebensabschnitt. Es blieben physikalische und mathematische Grundlagen hängen, die eine sehr gute Vorbereitung für ein Ingenieurstudium boten.“
Welche Ausbildung haben Sie vor Ihrem Besuch an der TO absolviert?
Nach meinem Hauptschulabschluss habe ich eine Ausbildung zum Fernmeldeelektroniker bei der Fa. Siemens AG absolviert. Es war spannend, da zu dieser Zeit gerade die Relaistechnik durch Halbleiterbauteile ersetzt wurde. Rückwirkend gesehen wurden mir hier die meisten praktischen Fähigkeiten eingetrichtert, die mitunter immer noch hilfreich sind.
Wie sind Sie auf die TO aufmerksam geworden?
Da ich der Astronomie zugetan war und bin, wurde ich schon sehr früh Mitglied der Sternwarte Stuttgart. Dort tummelten sich allerdings viele Gymnasiasten und Studenten, mit denen ich physikalisch und mathematisch nicht mithalten konnte. Vor allem bei den Studenten (heute muss man ja Studierende sagen, aber es waren nur Jungs) hat mich auch deren freie Zeiteinteilung beeindruckt. Also wollte ich den „Ernst des Lebens“ noch ein wenig rauszögern, studieren und mehr von anderen Dingen erfahren. Wie ich dann auf die TO aufmerksam wurde, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich habe nur grundsätzlich von der Möglichkeit des zweiten Bildungswegs erfahren und mich kundig gemacht, wie so was geht. Zur Aufnahme an die TO war es damals noch erforderlich, neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung zusätzlich einen einjährigen Aufbaukurs zu absolvieren. Der fand immer samstags statt und wurde – sehr zu meinem Ärger – mit dem Zeitpunkt meines Abschlusses dann auch nicht mehr gebraucht. War aber trotzdem eine gute Vorbereitung für die TO.
Aus welchen Gründen haben Sie sich für die TO entschieden und nicht für eine andere Schule?
Da eine kaufmännische wirtschaftliche Orientierung für mich auf keinen Fall infrage kam, bot sich die TO an.
Was hat Ihnen während Ihrer Schulzeit besonders gut gefallen?
Es war ein tolles Rundumpaket. Ich habe es von Anfang an genossen. Allerdings auch die – gegenüber einer Lehre bzw. einer Berufstätigkeit – vorhandene Freiheit. Hier habe ich dann auch etwas übertrieben, wodurch meine anfänglich sehr guten Noten (während der Zeit des Nachholens der Mittleren Reife) später dramatisch nach unten gingen. Immerhin war ich in einem Alter, in dem man sich schon bewusst ist, dass man für sich selbst verantwortlich ist und nicht die Schuld bei den Lehrern sucht. Die waren nämlich durchweg klasse. Mein Eindruck war zudem, dass sie gerne an der TO unterrichtet haben. Entsprechend gut war auch das Verhältnis und die Stimmung. Mit einigen ehemaligen Klassenkameraden habe ich immer noch Kontakt. Bis vor einigen Jahren kamen viele von uns auch noch regelmäßig zum TO-Fest.
Hatten Sie während Ihrer Schulzeit bereits Kontakt zum Förderverein?
Ich meine (bin mir aber nicht sicher), dass der Verein zur Zeit unseres Ausscheidens gegründet wurde. Jedenfalls bin ich (wie einige meiner Schulkameraden auch) seither Mitglied.
Wie verlief Ihre akademische Laufbahn nach der TO?
Zunächst sehr schleppend, da ich unmotiviert ein Studium begonnen habe. Erst nachdem ich mitten im Studium zum Zivildienst eingezogen wurde, wurde mir bewusst, dass ich das Studium nicht erfolgreich fortsetzen kann, ohne endlich in die Gänge zu kommen. Auch habe ich über die Jahre erfahren, dass ich zwar vieles erreichen kann, aber nicht ohne etwas dafür zu tun. Also habe ich nach dem Zivildienst mit einem neuen Lebensabschnitt begonnen, der (fast) nur noch aus Lernen und Arbeiten bestand. Ab da verlief dann alles Weitere zur „vollsten Zufriedenheit“. Ich habe an meinem Studium der Bauphysik Interesse und Gefallen gefunden und war auch während des Studiums als Hiwi am Institut für Bauphysik beschäftigt. Dort kam ich mit der Forschungs- und der Laborarbeit in Kontakt, wodurch ich nach Beendigung des Studiums – nach einem praktischen Exkurs in die Ingenieurwelt – als Laboringenieur zurück an die Hochschule für Technik gekommen bin. Hier hatte ich das Glück, an einem europäischen Forschungsprojekt teilzunehmen und auch in diesem Rahmen zu promovieren. Dies war damals an Fachhochschulen noch nicht möglich, aber der Projektleiter bot mir an, die Promotion an seinem Institut, d.h. an einer englischen Universität, abzulegen (fachlich weniger ein Problem, sprachlich schon). Parallel dazu habe ich mit zwei Kollegen ein Ingenieurbüro gegründet, über das ich, neben meiner (reduzierten) Tätigkeit der Hochschule, ein paar Projekte im Jahr abwickeln kann. Das war es eigentlich auch schon, also nix wirklich Spektakuläres. Da ich in diesem Jahr in den Ruhestand gehe, wird auch nichts mehr hinzukommen. Rückblickend bleibt die TO-Zeit somit einer meiner schönsten Lebensabschnitte.
Eine kurze Übersicht über den Lebenslauf von Dr. Volker Fux:
- Hauptschulabschluss und Ausbildung zum Fernmeldeelektroniker bei der Siemens AG
- 1979 mittlerer Bildungsabschluss an der TO
- 1982 fachgebundene Hochschulreife an der TO
- Anschließend Studium der Bauphysik an der Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart
- Ingenieurtätigkeit u. a. im Fraunhofer-Institut für Bauphysik
- seit 1993 an der HFT-Stuttgart im Studiengang Bauphysik
- Promotion an der Loughborough University, England
- Beteiligung an nationalen und internationalen Forschungsprojekten
- Seit 2002 Geschäftspartner des Bauphysikbüros Seeberger + Partner
- Ab 2025 im Ruhestand (Ende und Aus)
Das Interview hat Daniel Fink im April 2025 geführt.
Abschlussjahrgang 1982